Dekan Schuh im Gespräch mit P. Simeon
Pater Dr. Simeon Gloger OSB aus der Abtei Dormitio in Jerusalem ist in Mayen geboren und aufgewachsen. Viele kennen ihn noch mit seinem Taufnamen Benedikt. In diesen Tagen war er bei seinen Eltern und Brüdern auf Heimaturlaub und hat unter anderem am 7. Juni in der Herz-Jesu-Kirche die Sonntagsmesse gefeiert. Ich habe bei ihm nachgefragt, wie er die Situation zurzeit im Heiligen Land erlebt.
Lieber P. Simeon, wie geht es Dir, besonders nach den ganzen schrecklichen Ereignissen in den letzten Monaten in Nahost?
Ich muss sagen, dass ich sehr froh bin, nun ein paar Tage Abstand zu haben. Besonders die Wochen während des Kriegs zwischen Israel bzw. den USA und Iran im März und April waren sehr anstrengend und zermürbend. Mehrmals am Tag und oft auch in der Nacht mussten wir Mönche wegen des Raketenalarms in den Bunker oder ins Kellergeschoss flüchten. Wenn die Sirene zu hören ist, hat man 90 Sekunden Zeit, die Schutzräume aufzusuchen.
Wie kann man sich denn das Klosterleben in solch angespannten Zeiten vorstellen?
Wir haben tatsächlich regulär an unseren Gebetszeiten festgehalten, so gut es ging. Die Krypta der Dormitio-Abtei liegt unter der Erde und ist ein massiver Bau aus dem Jahr 1910. Hier haben wir uns sicher gefühlt und all unsere Gottesdienste gefeiert. Weil manchmal die Nächte aufgrund des Raketenalarms sehr kurz waren, fangen wir mit unserem Morgengebet statt nun erst um 7.00 Uhr an (statt um 6.00 Uhr). Insgesamt sehen wir es als unsere Aufgabe, als Benediktinermönche auch in solch ungewissen Zeiten vor Ort, trotz aller scheinbarer Hoffnungslosigkeit, um den Frieden zu beten und an den Heiligen Stätten zu sein.
Sicherlich werden jetzt keine Pilger- und Touristengruppen in Jerusalem unterwegs sein, oder?
Ja, genau. Die Jerusalemer Altstadt mit ihren vielen Heiligen Stätten, wie z.B. der Grabeskirche, der Via Dolorosa oder auch dem Abendmahlssaal, ist wie leergefegt. Vieles erinnert so an die Corona-Zeit. Es gibt zurzeit so gut wie keine Pilger im Heiligen Land, was aufgrund der unsicheren Lage ja auch verständlich ist. Unsere Abteikirche haben wir aber weiterhin tagsüber für alle geöffnet, die beten möchten. Natürlich sind es leider nur ca. 20 Besucher am Tag, die zu uns kommen, meistens Einheimische, aber tatsächlich auch ein paar Einzelgäste. Im Moment haben wir leider auch keine Studierenden und Freiwilligen bei uns.
Eine große Herausforderung ist dabei natürlich der Wegfall der Einnahmen aufgrund der fehlenden Pilgergruppen. Das sind in der Regel unsere finanziellen Haupteinnahmen, mit denen wir auch unsere 29 Angestellten bezahlen. Unser Ziel ist es aber, in diesen unsicheren Zeiten keine unserer Mitarbeitenden zu entlassen. Auf diese Weise unterstützen wir schließlich etliche (christliche) Familien in Jerusalem und in der Umgebung. Teilweise geht es daher auch schon an unsere Geldreserven, die eigentlich für die Altersvorsorge der älteren Mitbrüder gedacht sind…
Hoffen und beten wir, dass wieder Friede im Heiligen Land einkehren möge und die Pilgergruppen zurückkehren können!
Lieber P. Simeon, herzlichen Dank, dass Du uns etwas in die Lebenswirklichkeit Eurer Abtei in Jerusalem hineinnimmst.
Liebe Mitchristen in St. Lukas,
Ich denke, dass wir als P. Simeons Heimatpfarrei seinen Wunsch und sein Gebet, dass Friede wird im Heiligen Land, von ganzem Herzen unterstützen!
- Simeon hat die finanziell schwierige Situation der Dormitio-Abtei angedeutet. Der für die Finanzen zuständige Mitbruder, P. Matthias, hat bereits vor einiger Zeit einen deutlich dramatischeren Hilferuf in einschlägigen kirchlichen Kanälen gesendet.
Vielleicht hat der Eine oder die Andere aus unserer Mitte die Möglichkeit, mit einer Spende zu helfen. Besonders möchte ich hervorheben, dass die Brüder nicht zuerst für sich um Hilfe bitten. Indem Sie ihren Mitarbeitenden trotz der Situation nicht kündigen, wollen sie es den zumeist christlichen Familien ermöglichen, weiterhin im Heiligen Land zu leben.
Wer helfen möchte, findet die Möglichkeit zum Spenden im Internet: https://dormitio.net/spenden/ oder kann eine Überweisung auf den Weg bringen mit der Bankverbindung:
Abtei Dormitio Jerusalem e. V.
Liga Bank eG
BIC GENODEF1M05
IBAN DE98 7509 0300 0002 1802 78
Herzlichen Dank an P. Simeon für das Gespräch und herzlichen Dank allen, die ihn, seine Mitbrüder und die Angestellten und ihre Familien unterstützen.
Dekan Jörg Schuh.





